burned out

Unterbewusst war mir schon mindestens seit anderthalb Jahren klar, dass ich da wahrscheinlich schon mitten drin stecke. Was waren die letzten Anzeichen bei mir?

  • ich war komplett demoralisiert und nahm hauptsächlich das Negative war. Positives drang nicht mehr in mein Hirn vor.
  • ich bin immer länger im Bett liegen geblieben, es fiel mir immer schwerer, morgens aufzustehen. Sobald ich es dann geschafft hatte, war es ok. Aber vorher …
  • ich fing bei den geringsten Sachen an zu Weinen. Auf der Arbeit. Vor meinem Chef. Vor Kollegen. Und zwar einmal sogar richtig haltlos.
  • ich habe zu meinen Chef schon gesagt „ich weiss nicht, wie lange ich morgens noch aufstehen kann“. Seine Reaktion: Schulterzucken.

Ich habe durch das Bullet Journal und den famosen Coach unheimlich viel an mir selbst gearbeitet. Aber irgendwo hat auch das seine Grenzen. Im Januar war es dann soweit, ich wollte mir eigentlich nur Hilfe holen, sprich bin zum Arzt gegangen, um eine Gesprächstherapie zu bekommen. Bin dann dort erstmal heulend zusammengebrochen. Konnte gar nicht gescheit reden.

Mein Doc fragte mich, ob ich denn noch Spass an meinem Hobby hätte? Es bezieht sich nämlich nicht nur auf das Geschäftliche, das ufert aus. Ich habe dann gemerkt, dass ich nur noch aus Pflichtgefühl dem Pferd gegenüber in den Stall gefahren bin. Spass hatte ich da schon eine Weile nicht mehr dran, auch dort wurde ja über mich „geurteilt“.

Ich war dann 4,5 Wochen krankgeschrieben. Mit der Diagnose „psychovegetative Erschöpfung und Depression“. Neudeutsch: Burnout. Nicht die schwerste Variante zum Glück! Da gibt es ganz andere, die nur noch in den Bildschirm starren und zu nichts mehr fähig sind. Ich hatte Antriebsschwierigkeiten, wenn der Motor lief, dann lief er.

Die 4,5 Wochen waren sehr eigenartig. So als ob ich mir das erschleichen würde. Unverdiente Freizeit. Geniessen konnte ich das nur in seltenen Momenten. Aber sie waren notwendig. Irgendwann wollte ich dann wieder zur Arbeit.

Hintergrund ist, dass wir schon letztes Jahr Sommer unsere Abteilung neu strukturiert haben und ich mir da meinen neuen Job ab Anfang Februar „gebastelt“ habe. Zukünftig spiele ich auf meinen Stärken und gebe alles andere an eine neue Kollegin ab. Ich wusste also, dass meine Situation nicht mehr die alte sein wird. Sonst hätte ich auch glaube ich gar nicht zurückgekonnt.

Nun habe ich schon viele Aufgaben übergeben, die Neue macht sich sehr gut und ich spüre die erste Entlastung.

Ich spüre aber auch schon wieder den leichten Unwillen, morgens aufzustehen oder Verabredungen privater Natur zu treffen. Einmal gemacht, angestrengt, ist es dann prima. Aber die Initialzündung braucht definivit schon wieder Starthilfe. Und daran merke ich, dass es gut gewesen wäre, weiterhin draussen zu bleiben.

Jetzt schauen wir mal, wie das weitergeht.

Seit dem 01.04. arbeite ich (bis Ende September) nur noch 80%, d.h. nur noch 4 Tage die Woche und heute ist mein freier Tag. Ich habe mir damit diese Zeit zum Heilen quasi erkauft.

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